Qualitätsstandards

 

Qualitätsstandards zur DurchfĂĽhrung von AAT®/CT®-Kursen

 

Das AAT® ist dem Bereich der tertiären Prävention bei der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe, dem § 10JGG und den unterschiedlichen Formen des Strafvollzugs zugeordnet. Die zwangsweise Behandlung von gewaltbereiten Wiederholungstätern wird als Einstiegs-Sekundärmotivation akzeptiert. Das CT® orientiert sich am Bereich der sekundären Prävention und setzt in Schulen, Streetwork, Jugendhilfe und Einrichtungen auf freiwillige Teilnahme.

Den AAT® -Kursen, die von zertifizierten AAT®/CT®-TrainerInnen durchgefĂĽhrt werden, liegen folgende Qualitätsstandards zugrunde:

1. Das Trainingsprogramm wendet sich an Menschen, die körperliche und/oder seelische Gewalt ausüben. Voraussetzung ist, dass die TeilnehmerInnen dem Trainingsprogramm, das auf einem lerntheoretisch-kognitiven Paradigma basiert, inhaltlich und sprachlich folgen können. Für Personen mit Suizidgefährdung, aus der Kinder- und Jugendpsychia-trie, Alkohol- und Drogenabhängige sowie für Mitglieder der organisierten Kriminalität ist das Trainingsprogramm nicht geeignet.

2. Der zeitliche Rahmen eines Anti-Aggressivitäts-Trainings ist so zu gestalten, dass

  • Durch den Beziehungsaufbau ein konstruktives ArbeitsbĂĽndnis zwischen TeilnehmerInnen und TrainerInnen geschlossen wird.
  • Eine angemessene individuelle Betreuungsintensität gewährleistet wird sowie
  • Einsicht in die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen und die entsprechende EinĂĽbung ermöglicht wird.

Die empfohlene Mindestdauer liegt bei 4 bis 6 Monaten, abhängig von der Teilnehmer-Innenzahl. Pro TeilnehmerIn sind mindestens 12 Stunden einzukalkulieren. Bei einer Gruppe von 5 TeilnehmerInnen liegt die empfohlene Gesamtstundenzahl somit bei 60 Stunden; bei Sitzungen von 3-4 Stunden pro Woche ergibt sich eine Dauer von 4 Monaten (bei erhöhter TeilnehmerInnenzahl entsprechend länger). Die Trainingsdauer kann durch Wochenendsitzungen verkürzt werden, sollte aber 4 Monate nicht unterschreiten. Der zeitliche Rahmen der Trainingsprogramme umfasst bei einer Gruppengröße von 5 Teilnehmern ca. 60 Stunden (beispielsweise einmal pro Woche bei einer Sitzungsdauer von drei bis fünf Stunden).

3. Die Gruppenleitung besteht in der Regel aus zwei Personen mit abgeschlossenem (Fach-) Hochschulstudium in den Bereichen Sozialarbeit oder –pädagogik, Erziehungswissenschaften, Soziologie, Psychologie oder Kriminologie sowie staatlich anerkannten ErzieherInnen mit mindestens zweijähriger Berufspraxis. Eine Person der Gruppenleitung muss ĂĽber eine qualifizierte Zusatzausbildung zur/zum AAT®/CT®-TrainerIn, inklusive der Selbsterfahrung auf dem „heiĂźen Stuhl“, verfĂĽgen.

4. Beim Einstieg werden die TeilnehmerInnen durch Tätergespräche, erlebnispädagogische und beziehungsaufbauende Elemente, eine interessante, spannende und konfrontative Sitzungsgestaltung sowie durch den Einsatz von Co-TrainerInnen (beispielsweise Ex- Schlägern oder friedfertigen Kampfsportlern) für das Training motiviert. Sekundäre Behandlungsmotivationen wie richterlicher Druck, drohender Schulverweis, drohender Widerruf oder anstehende Gerichtstermine sollen nach den ersten vier Sitzungen einer primären Motivation weichen.

5. AAT® sind Programme, die BerĂĽhrungen vermeiden bzw. im Rahmen des humanistischen und optimistischen Menschenbildes des AAT® gezielt einsetzen. Körperkontakte dienen maĂźgeblich der empathischen Kontaktaufnahme zur Vertrauensbildung, Beziehungsarbeit und emotionalen Zuwendung. Im Rahmen der Täterbehandlung können BerĂĽhrungen bzw. Körperkontakte in Rollenspielen zur

  • systematischen Desensibilisierung,
  • der Aufmerksamkeitsherstellung,
  • der Darstellung der Opferperspektive,
  • eines einfĂĽhlsamen Nähe- oder
  • eines gezielten Deeskalationstrainings durchaus sinnvoll und notwendig sein.

In der Ausbildung wird die Trainerpersönlichkeit intensiv in ihrer Affektkontrolle geschult, um auch in extremen Belastungssituationen souverän, einfühlsam und affektlogisch antagonistisch agieren zu können.

6. Das Trainingsprogramm umfasst die Elemente:

  • Einzelinterviews im Beisein der Gruppe (1:1 Befragung)
  • Analyse der Aggressivitätsauslöser
  • Tatkonfrontation und Provokationstests auf dem „heiĂźen Stuhl“
  • Opferbriefe, Opferfilme und Opferaufsätze zur Sensibilisierung fĂĽr das Opferleid
  • Distanzierungsbrief zur Gewalt an die Clique
  • Aspekte des Attraktivitätstrainings

7. Dem AAT® liegt ein optimistisches Menschenbild zugrunde. Die Gruppenleiter akzeptieren die/den TeilnehmerIn als Person, lehnen aber gleichzeitig seine Gewaltbereitschaftmassiv ab (there is no bad boy).

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